Konsumenteninfos / Labels

Lieber Besucher, als Landwirt scheint es für mich Pflicht, Sie über die Produktion verschiedener Lebensmittel zu informieren. In den Medien und auch im Marketing der Grossverteiler findet heute eine Verzerrung der Informationen statt, so dass der Konsument häufig verunsichert wird.

Rindfleisch - Labels / Unterschied Bio / ÖLN
In der untenstehenden Auflistung wird nur auf  die wichtigsten, für Sie als Konsument relevanten, Bedingungen eingegangen. GVO- Futter, Tiermehl, Klärschlamm oder elektrische Viehtreibapparate sind heute weitgehend verboten und werden daher nicht mehr speziell erwähnt. Auch die Einhaltung der Haltungsvorschriften für Tiere sind meiner Meinung nach selbstverständlich.
Ich kann auf die Richtigkeit der Aufstellung keine Garantie abgeben!

 
In der Fleischssparte und auch bei anderen Lebensmitteln gibt es mittlerweile derart viele Labels, dass kaum einer weiss, was sie eigentlich bedeuten. Das einzige, was alle gemeinsam haben, ist, dass es sich immer um CH-Fleisch handelt. Wenn Sie aber meinen, dass Bio auch immer gute Fleischqualität und strengste Haltungsformen bedeutet, so täuschen Sie sich. Denn Bio ist zwar immer Bio, sagt aber nur wenig über die tatsächliche Qualität und die Stallhaltung der Tiere aus.
 
Kein Label
Hier handelt es sich in der Regel um ausländische Produkte oder welche aus konventionellem Anbau oder Haltung stammen. Da auch diese Schweizer  Betriebe strengen Tierschutzvorschriften unterliegen, muss man beim Kauf dieses Fleisches, wenn es den Vermerk "Schweizer Fleisch" trägt, kein schlechtes Gewissen haben. Achtung: "Schweizer Produkt" heisst nicht unbedingt "Schweizer Fleisch"!
 

Kein Label

IP Suisse, QM, ÖLN
ÖLN (früher Integrierte Produktion) gesamtbetrieblich erfüllt. (ca. 95% der CH Betriebe)
IP-Suisse Mitgliedschaft, damit sind die Anforderungen an QM Schweizer Fleisch automatisch erfüllt.
Haltung: Anbindehaltung verboten, Laufstall mit Vollspaltenboden erlaubt
Fleischqualität: Durchschnittlich, da keine Anforderungen bezüglich Rasse.

M-Sano (M-7) --> demnächst verschärfte Anforderungen
ÖLN (früher Integrierte Produktion) gesamtbetrieblich erfüllt. Tiermehl, Klärschlamm, Embryonentransfer etc. verboten.
Haltung: Erhöhter Platzbedarf für Kälber, Liegefläche immer auf Stroh, Laufstall
Fleischqaualität: Durchschnittlich, da keine Anforderungen bezüglich Rasse.

Coop Natura Plan
Coop führt im Natura Plan Programm zwei Linien:
1. Fleisch aus tierfreundlicher Haltung (entspricht +Natura Beef+)
2. Bio-Fleisch  mit der Knospe (entspricht Bio Suisse)

Swiss Prim Beef
ÖLN (früher Integrierte Produktion) gesamtbetrieblich erfüllt.
Kuhtrainer, Elektrotreiber, etc. verboten.
Haltung: Eingestreute Liegefläche, Auslauf unter freiem Himmel.
Fleischqualität: hoch, da nur Fleischrassentiere zugelassen und eine gewisse Schlachtkörperqualität erfüllt werden muss.


Agri Natura

ÖLN (früher Integrierte Produktion) gesamtbetrieblich erfüllt. Fütterungsverbot von genmanipulierten Futtermitteln, Harnstoff etc.
Haltung: Eingestreute Liegefläche
Fleischqualität: Durchschnittlich, da keine Anforderungen bezüglich Rasse.

Natura Beef (Mutterkuhhaltung)
ÖLN (früher Integrierte Produktion) gesamtbetrieblich erfüllt. Tiere werden erst mit rund 10 Monaten von der Kuh abgesetzt  und geschlachtet.
Haltung: Eingestreute Liegefläche und täglicher Auslauf
Fleischqualität: sehr hoch, da nur Mastrassen eingesetzt werden, die eine gewisse Schlachtkörperqualität erfüllen, und relativ jung geschlachtet wird.

Bio Suisse_
Gesamtbetrieblicher Biolandbau nach Vorschriften der Bio Suisse. Gewisse Futtermenge muss von Biobetrieben stammen, Gentech und chemisch-synthetische Zusätze sind verboten.
Haltung: Eingestreute Liegefläche, keine Anbindehaltung (Übergangsfrist bis 2010)
Fleischqualität: Durchschnittlich, da keine Anforderungen bezüglich Rasse.

Bio Migros
Entspricht Bio Suisse

Kag Freiland
Gesamtbetrieblicher Biolandbau nach Vorschriften der Bio Suisse.
Haltung: In Vegetationsperiode täglich Weide, im Winter täglich Auslauf, eingestreute Liegefläche, nur Laufstallbetriebe.
Fleischqualität: Durchschnittlich, da keine Anforderungen bezüglich Rasse.

Migros Bio Weide Beef
Gesamtbetrieblicher Biolandbau nach Vorschriften der Bio Suisse.
Haltung: In Vegetationsperiode täglich Weide, im Winter täglich Auslauf, eingestreute Liegefläche.
Fleischqualität: hoch, da nur Fleischrassentiere zugelassen

Dementer
Biologisch-dynamische Richtlinien auf ganzem Betrieb
Haltung: Eingestreute Liegefläche, Futter von biologisch-dynamischen Betrieben (90%)
Fleischqualität: Durchschnittlich, da keine Anforderungen bezüglich Rasse.

   
Kommentar:
Nun, sehr geehrter Besucher, haben Sie gesehen, dass es je nach Label doch beträchtliche Unterschiede zwischen Fleischqualität, Bio, IP und Konventioneller Produktion gibt. Welchem Produkt Sie den Vorzug geben, müssen Sie selbst entscheiden. Sie tun sich und dem Tier im Zweifelsfall aber bestimmt einen Gefallen, wenn Sie 1. Priorität auf Haltungsform (wenigstens eingestreute Liegefläche), 2 Priorität auf Fleischqualität (Fleischrasse) und erst als 3. Priorität die ökologische Ausrichtung des Betriebes wählen.
 
Vollspaltenboden/Fressplatz Tiefstreu/Liegefläche Auslauf Mutterkuhhaltung/Weidemast

 

Unterschied von Bio- und ÖLN-Betrieben
Um Ihnen einen besseren Einblick zu gewähren, möchte ich nachfolgend die wichtigsten Punkte auflisten, welche die beiden Betriebsformen unterscheiden.
 
ÖLN- Betrieb Bio- Betrieb
Direktzahlungen: Der Bauer erhält angemessene Entschädigung für sein ökologischen Leistungen und den deutlichen Preiszerfall am Markt. Direktzahlungen: Es werden deutlich höhere Direktzahlungen ausbezahlt für Leistungen, die klar umschrieben sind. Ob der Landwirt seinen Mist und seine Gülle ökologisch einsetzt und wie viel CO 2 er produziert ist ihm selbst überlassen. 
Düngereinsatz: Er kann gezielt zum richtigen Zeitpunkt eine begrenzte Menge rasch verfügbarer  mineralischer Dünger ausbringen, um den Pflanzenbedarf zu decken. Dies ist besonders bei Stickstoff (Nitrat) der Fall, da dieser Nährstoff im Frühjahr nur in sehr geringen Mengen im Boden vorhanden ist. Düngereinsatz: Da der Biobauer keine mineralischen Dünger einsetzen darf, düngt er die selbe Menge Nährstoffe in Form von Hofdüngern (Gülle und Mist) ebenfalls im Frühjahr. Leider wird ein grosser Teil dieser Nährstoffe erst im Spätsommer pflanzenverfügbar, wenn die Vegetation fast vorbei ist. Ergebnis: grosse Mengen an frei werdenden N- Nährstoffen werden nicht mehr biologisch gebunden und es besteht die Gefahr von Nitratauswaschung ins Grundwasser!
Bodenbearbeitung: Man kann die jeweils ideale und bodenschonendste Bearbeitungsmethode wählen, um im Boden  (konservierende Bodenbearbeitung) die Fruchtbarkeit zu erhalten und durch geringen maschinellen Aufwand auch die Umwelt zu schonen (Traktor) Bodenbearbeitung: Das Unkraut ist eines der grössten Probleme im Biolandbau, da es nicht chemisch bekämpft werden darf. Es ist daher zwingend erforderlich, dies mit hohem Aufwand auf mechanischem Wege über Bodenbearbeitung (Pflug =>Wurmkiller) oder hacken bzw. abflammen zu erledigen. Dabei werden grosse Mengen an fossilen Energien verbraucht und auch sehr viel CO2 frei. (Umweltbelastung wird verlagert))
Pflanzenschutz: Unsere modernen Pflanzenschutzmittel sind nicht mehr mit jenen Produkten zu vergleichen, wie sie vor 30 Jahren eingesetzt wurden, damals wurde wirklich noch gesündigt. Die bei uns zugelassenen Mittel wirken sehr spezifisch (Nützlingsschonend) und bauen sich nach sehr kurzer Zeit selbst wieder ab.
 
Pflanzenschutz: Ist nur sehr eingeschränkt möglich, da alles (chemisch-)synthetischen Produkte verboten sind. Dafür sind einige alte, primitive Mittel, wie Kupfer, die zu teil umweltbelastend sind erlaubt!? Weiter ist das abflammen von Unkraut erlaubt, was auch alle Tiere in Bodenähe abtötet und sehr viel CO2  und diverse giftige Gase freisetzt.
Tierhaltung: Da gibt es in der Praxis eigentlich kaum Unterschiede. Der Einsatz von Antibiotika muss aufgezeichnet werden. Der vorbeugende Einsatz ist verboten. Es darf Futter von beliebigen anderen Betrieben verfüttert werden ausser GVO Soja und Tiermehl. Der Unterschied zwischen Bioprodukten und ÖLN-Produkten tierischer Herkunft kann weitgehend vernachlässigt werden. Tierhaltung: Es darf nur eine geringe Menge von Nicht- Bio-Futter (ca. 20%) zugefüttert werden. Auch der Biobauer spritzt seinem Tier im Krankheitsfall Antibiotika, weil er es sonst sterben lassen müsste und die alternativen Mittel nur eingeschränkt wirken.

Warum hat es im Berggebiet so viele Biobetriebe?
Im Berggebiet kann aus klimatischen Gründen nur Grünland bewirtschaftet werden. Die mageren Bergwiesen benötigen kaum Dünger und Pflanzenschutz ist ausser bei der Blackenbekämpfung (Ampfer) kaum erforderlich. Das bedeutet mässigen Mehraufwand bei deutlich höheren Direktzahlungen.

Artikel aus der Online-Weltwoche 1 / 03
oekolandwirtschaft.doc (ab Word 2000, 46kb)
Besonders für eingefleischte Biofans sehr empfehlenswert!

Artikel aus der Sonntag Zeitung vom 13. März 2005
"Global denken, lokal kaufen" (772kb, gif Datei)
Durchlesen und Nachdenken!


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